Absinth Verkostungsnotizen

Als es Pernod nach Spanien zog - eine Anekdote mit Verkostungsnotizen

Von Marc Thuillier

Ich dachte, es wäre an der Zeit einmal ein bisschen auf die Geschichte der zwei Pernod Marken (Edouard Pernod und Pernod Fils) die nach Tarragona, Spanien "ausgewandert" sind, einzugehen. Später verkoste ich einen Tarragona aus den 60ern für euch.

 

 

Warum Pernod nach Spanien ging

1910 wird Absinth in der Schweiz verboten, und die französischen Produzenten und Konsumenten ahnen Schreckliches - das Ende der grünen Fee wird wohl auch bei Ihnen Einzug halten...

Die in Frankreich ansässige Edouard Pernod Brennerei will eine schnelle Lösung finden, ohne Kapital zu verlieren. Nach Verhandlungen mit Hubert Bresson, einem Brenner aus Fougerolles in Frankreich, wird die Markenrechte für den Absinth "Edouard Pernod" schließlich an ihn verkauft.

Währenddessen tut sich etwas in der Schweiz: Pierre Pernod, der Enkel von Louis-Edouard Pernod (Edouard Pernod I) und Sohn von Célestin-Edouard Pernod (Edouard Pernod II), hatte das Unternehmen seit dem Absinth Verbot erfolgreich auf den Handel mit Wein umgestellt. Weil er viel nach Nord- und Südamerika exportiert, entscheidet er sich 1912 in Spanien eine neue Firma zu gründen - die "Pernod S.A. - Couvet", was nicht nur für einen reibungsloseren Import- und Export wegen Spaniens Lage sorgt, sondern eine weitere Absinth Herstellung ermöglicht! In Spanien gilt nämlich kein Absinth Verbot, und Experten rechnen auch nicht damit, dass das in näherer Zeit passieren wird. .

1936 wird diese kleine spanische Absinth Brennerei vom Giganten "Pernod" (der die Markenrechte für den legendären "Pernod Fils" Absinth innehält) aufgekauft - denn auch Pernod hat ein Interesse daran Absinth in Spanien zu brennen.

(Quellen: Marie-Claude Delahaye und Benoît Noël - beides renommierte Historiker aus Frankreich)

Durch Markenrecht, und dem Kauf der verschiedenen Firmen sich die in Spanien hergestellten Absinthe wie folgt verändert:

1912 - 1936

Absinthe Pernod S.A - Couvet

Zuerst fand sich das schweizer Kreuz auf dem Etikett, später dann ein Tatzenkreuz (bis heute weiß man nicht warum das Kreuz ausgetauscht wurde).

1936 - 40er

Das Etikett auf der Vorderseite wurde schließlich auf "Pernod Fils" geändert, auf der Rückseite hieß der Hersteller aber noch immer Pernod S.A.

50er & 60er

Auf der Verpackung am Flaschenhals steht nun der Name "Pernod" alleine, der bereits in die Flaschenform eingraviert wird.

 

Das einzige Werbematerial oder personalisierte Glas das jemals für Pernod S.A. hergestellt wurde: The glass + dripper set enameled PERNOD S.A TARRAGONA

Verkostungsnotizen Pernod Fils Tarragona aus den 60ern

Farbe: Wunderschöne "totes Blatt" (feuille morte) Färbung mit Gelbtönen.

Aroma vor der Zugabe von Wasser: Ahhhh dieser grüne Anis aus Spanien, meine Nase ist entzückt!

Louche: Keine Überraschung hier, es ist schlißlich ein Pernod Fils - makellose Trübung mit tanzenden Wolken.

Aroma nach der Zugabe von Wasser: Die Anis-Bombe dominiert noch immer, hat sich aber mit mehreren kräutrigen Noten wie Wermut, Yssop und blumigen Düften arrangiert.

Geschmack: Sehr rund, fruchtig, gar etwas süß und gleichzeitig beißend. Das finde ich aber eher angenehm weil meine Geschmacksknospen dadurch eher aufgeweckt werden und die gesamte Kräuterpalette dieses köstlichen Absinths entdecken können. Einfach aber genial, das Rezept für einen Erfolg!

Abgang: Anis verweilt gefühlt für immer, und hinterlässt einen Lakritzgeschmack im Hintergrund.

Fazit: Es fällt mir immer schwer Verkostungsnotizen für Jahgrangsabsinthe zu schreiben, insbesondere Pernod Fils, weil sie für mich immer schon perfekt sind und es durch die extrem lange Reifezeit nur noch besser werden. Am Ende gibt es für mich nur eine Bezeichnung die gleichzeitig die Messlatte für alle Absinthe ist: der Pernod Fils Geschmack.

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